Amsterdam setzt auf günstiges Wohnen mit Kooperativen

In Amsterdam haben 50 Menschen ein gemeinsames Bauprojekt umgesetzt, das dauerhaft günstigere Mieten ermöglichen soll. Die Wohnkooperative „De Warren“, auch „Kaninchenbau“ genannt, wurde auf einem städtischen Erbpachtgrundstück errichtet. Statt hoher Grundstückskosten fällt für die Bewohner nur eine jährliche Pacht an.

Die Planung und der Bau dauerten acht Jahre. Initiatorin Kim Otten erklärte, der Prozess sei lang und schwierig gewesen, da es sich um das erste Projekt dieser Art in Amsterdam gehandelt habe. Durch die Erfahrungen der Gruppe solle es für künftige Initiativen leichter werden, ähnliche Vorhaben umzusetzen.

Finanzierung und Mietpreise

Die Bewohner brachten fünf Prozent Eigenkapital durch private Mittel und Crowdfunding zusammen. Hinzu kam Startkapital der Stadt. Für die restlichen Baukosten von rund 5,5 Millionen Euro nahm die Kooperative gemeinsame Bankkredite auf. Diese werden nun durch die Mieteinnahmen abgezahlt. Nach Angaben der Gruppe liegen die Mieten rund 30 Prozent unter dem Amsterdamer Mietspiegel.

Das Gebäude umfasst 3 000 Quadratmeter Wohnfläche. Ein Drittel wird gemeinschaftlich genutzt, zwei Drittel bestehen aus privaten Wohnungen. Die Architektur ist so konzipiert, dass zentrale Bereiche wie Treppenhaus, Bibliothek oder Arbeitsräume Begegnungen fördern.

Wohnungsmarkt unter Druck

Wohnraum in Amsterdam ist knapp und teuer. Laut Immobilienportal „City Estate“ betrugen die durchschnittlichen Mietpreise 2024 rund 21 Euro pro Quadratmeter im Monat. Das „Centraal Bureau voor de Statistiek“ meldete einen Anstieg der Mieten um mehr als fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Kaufpreise sind deutlich gestiegen: Im Juni 2025 lagen die Preise für Bestandswohnungen neun Prozent höher als im Vorjahr, der Durchschnittspreis für Häuser beträgt derzeit knapp 620 000 Euro.

Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung ist das anhaltende Bevölkerungswachstum. Zwischen 2015 und 2023 nahm die Einwohnerzahl der Stadt um 212 000 Menschen zu. Amsterdam zieht sowohl Arbeitskräfte als auch Studierende an und verzeichnet zahlreiche Zuzüge aus dem Ausland. Ein qualifizierter Mietspiegel wird in Deutschland genutzt, um rechtliche Sicherheit bei Mieterhöhungen zu schaffen – als Vergleich dient er auch hier als Orientierung.

Ziel: Zehn Prozent kooperative Wohnungen bis 2045

Das Projekt „De Warren“ feierte im Frühjahr seinen zweiten Geburtstag. Chandar van der Zande, einer der Bauverantwortlichen, bezeichnete die Kooperative als Ausdruck des gemeinsamen Lebens- und Arbeitswillens.

Die Stadt Amsterdam plant, bis 2045 zehn Prozent des gesamten Wohnungsbestands in die Hand von Wohnkooperativen zu geben. Auf der künstlichen Insel Centrumeiland sollen in den kommenden Jahren weitere Projekte nach dem Vorbild von „De Warren“ entstehen.