Mehrere Arbeiter eines Bauunternehmens aus Köln haben nach eigenen Angaben seit Wochen keinen Lohn erhalten. Die Männer waren im Auftrag der „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) an Ausbauprojekten im Rhein-Lahn-Kreis beteiligt.
Vorwürfe der Beschäftigten
Vier rumänische Arbeiter berichteten dem SWR, dass ihnen mehrere tausend Euro an Lohnzahlungen fehlten. Laut ihrem Arbeitsvertrag sei ein Stundenlohn von 14 Euro brutto vereinbart gewesen. Die üblichen Zahlungen im Zwei-Wochen-Rhythmus seien jedoch ausgeblieben. Zudem habe die Firma die Kosten für Monteurswohnungen nicht mehr übernommen. In Koblenz-Güls und Vallendar seien Arbeiter deshalb kurzfristig aus ihren Unterkünften gedrängt worden.
Ein Betroffener schilderte: „Wir sind völlig pleite, haben kein Geld und können nirgendwo hingehen.“ Ein weiterer berichtete, er und Kollegen seien ohne Vorwarnung aufgefordert worden, ihre Wohnung zu verlassen.
Reaktion der Firma
Das Bauunternehmen bestätigte gegenüber dem SWR, es gebe eine schwierige Marktlage. In einer Stellungnahme hieß es, man stehe in engem Austausch mit Beschäftigten und Partnern und wolle die Situation verantwortungsvoll begleiten. Konkrete Maßnahmen nannte die Firma nicht.
Am Mittwoch eröffnete das Amtsgericht Köln das Insolvenzverfahren über das Unternehmen. Unklar ist, warum die betroffenen Mitarbeiter erst jetzt über diesen Schritt informiert wurden.
Auftraggeber UGG
Die UGG erklärte, über die finanziellen Probleme des Generalunternehmers informiert gewesen zu sein und habe ihn aufgefordert, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Nach Bekanntwerden der Insolvenz versicherte die UGG, dass die Arbeiten an den Baustellen im Rhein-Lahn-Kreis weitergeführt würden. Kunden müssten keine Nachteile befürchten, Verzögerungen sollten möglichst gering gehalten werden.
Lage der Arbeiter
Die betroffenen Männer betonten, keine staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen zu wollen. Sie seien mit Unterlagen zur Agentur für Arbeit gegangen, hätten aber wegen Sprachproblemen Schwierigkeiten gehabt, sich zurechtzufinden. Drei von ihnen sprechen weder Deutsch noch Englisch.
Bezug zu regionalen Mietspiegeln
Die Ansprüche auf Mietzahlungen und die existenzielle Not der Arbeiter treten vor dem Hintergrund der ortsüblichen Mietpreise hervor. Laut dem Mietspiegel Rhein-Lahn-Kreis liegt der durchschnittliche Mietpreis für Wohnungen derzeit bei etwa 8,89 €/m². Die Zahlen dieses Marktmietspiegels bietet das Portal mietspiegeltabelle.de für den Kreis an.
In einzelnen Gemeinden des Kreises können die Quadratmeterpreise allerdings abweichen, wie etwa im Ortsteil Schönborn, wo der Mietspiegel Schoenborn 2025 eine Kaltmiete von 8,41 €/m² ausweist.
Unterstützung und Ermittlungen
Mitglieder der Linkspartei in Koblenz haben den Arbeitern Lebensmittel besorgt und wollen kurzfristig Unterkünfte organisieren. Zudem wird geprüft, ob rechtliche Unterstützung möglich ist.
Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat bisher keine Anzeigen zu diesem Fall registriert. In Köln hingegen bestätigte die Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen mutmaßlichen Betrugs gegen ein Unternehmen der Glasfaser-Branche. Ob ein Zusammenhang besteht, ist offen.