EU-Kommission empfiehlt Reformen beim Wohnungsbau

Die EU-Kommission sieht beim Wohnungsbau in Deutschland Reformbedarf. In ihrem aktuellen Länderbericht stellt sie fest, dass die Investitionen in den Wohnungsbau im Jahr 2025 bereits das fünfte Jahr in Folge zurückgegangen sind. Seit 2020 beträgt der Rückgang demnach insgesamt 20 Prozent.

Zugleich warnt die Kommission davor, Mietregulierungen als zentrales Mittel gegen den Wohnungsmangel einzusetzen. Darauf weist der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW hin. Der Verband sieht sich durch die Einschätzung aus Brüssel in seinen bisherigen Forderungen bestätigt.

Kommission nennt Verwaltung und Verfahren als Ansatzpunkte

Nach Angaben des GdW fordert die EU-Kommission Deutschland auf, Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen und Regeln zu straffen. Digitale Dienste sollen demnach nutzerfreundlicher und bundesweit einheitlicher verfügbar gemacht werden.

Kritisiert werden laut GdW zu komplexe und nur teilweise digitalisierte Verfahren. Auch wiederholte Behördengänge sowie eine unzureichende Abstimmung zwischen den staatlichen Ebenen werden als Probleme genannt.

GdW fordert Umsetzung in nationales Handeln

GdW-Präsident Axel Gedaschko erklärte, die EU-Kommission benenne zentrale Punkte, die auch die Wohnungswirtschaft seit Jahren anspreche. Deutschland müsse beim Wohnungsbau stärker auf Ermöglichung statt auf zusätzliche Regulierung setzen.

Gedaschko sagte zudem, neue mietrechtliche Vorgaben führten nicht zu zusätzlichem Wohnraum. Mit Blick auf die Genehmigungspraxis erklärte er, Bauanträge würden zwar digital angekündigt, aber weiterhin analog bearbeitet. Dies führe nach seiner Einschätzung zu Verzögerungen bei Genehmigungen.

Weitere Empfehlungen aus Brüssel

Als weitere Ansatzpunkte nennt die EU-Kommission laut GdW eine bessere Mobilisierung von Flächen, niedrigere Baukosten und mehr sozialen Wohnungsbau. Auch die Umsetzung eines einfachen Gebäudestandards nach dem Vorbild des Gebäudetyps E wird genannt.

Der GdW fordert, dass die Bundesregierung die Empfehlungen der EU-Kommission in konkrete nationale Maßnahmen überführt. Aus Sicht des Verbandes geht es dabei vor allem um schnellere Verfahren, geringere Kosten und verlässlichere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau.

Treffen deutscher Verbände mit EU-Kommissar

Bereits am 16. Mai 2025 hatten sich Vertreter deutscher Wohnungs- und Bauverbände in Brüssel mit EU-Kommissar Dan Jørgensen getroffen. Thema des Gesprächs waren Maßnahmen für bezahlbaren Wohnungsbau sowie Anforderungen an den Gebäudebestand.

Teilgenommen haben nach Angaben des GdW unter anderem GdW-Präsident Axel Gedaschko, Dirk Salewski vom BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Haus-&-Grund-Präsident Dr. Kai Warnecke sowie Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie.

Verbände legen Vorschläge in vier Bereichen vor

Die Verbände präsentierten bei dem Treffen Vorschläge in vier Kernbereichen. Dazu zählen die Priorisierung von Investitionen nach Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, niedrigere Baukosten sowie ein gezielterer Einsatz von Fördermitteln.

Beim Thema Gebäuderichtlinie EPBD fordern die Verbände, dass die Umsetzung stärker an der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet wird. Klimapolitische Anforderungen an Gebäude sollen nach ihrer Auffassung nicht zu höheren Wohnkosten führen. Gedaschko erklärte dazu, Klimaschutz dürfe nicht zum Mietpreistreiber werden.

Schnellere Verfahren und klare Fristen gefordert

Ein weiterer Vorschlag betrifft die Beschleunigung von Planung, Genehmigung und Bau. Die Verbände fordern mehr Geschwindigkeit bei der Ausweisung von Bauland und bei Änderungen von Bebauungsplänen.

BFW-Präsident Dirk Salewski betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Rechtssicherheit. Diese sei aus Sicht des Verbandes eine zentrale Voraussetzung, um Wohnraum schnell und zuverlässig zu schaffen.

Baukosten und Standards im Fokus

Auch die Senkung von Baukosten ist Teil der vorgelegten Vorschläge. Genannt werden der Abbau von Standards sowie die Förderung industrieller und serieller Bauverfahren.

In der Quelle wird zudem auf Aussagen von Hübner verwiesen, wonach die Europäische Union den Bürokratieabbau vorantreiben solle. Die Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung müsse Unternehmen entlasten. Außerdem seien praktikable Rahmenbedingungen für industrielles und serielles Bauen erforderlich.

Finanzierung und Fördermittel

Haus-&-Grund-Präsident Dr. Kai Warnecke verwies auf die Bedeutung öffentlicher Fördermittel bei Maßnahmen im Gebäudebestand. Nach seiner Darstellung sollten Fördergelder getrennt zugänglich sein, damit verschiedene Eigentümergruppen entsprechend ihrem Anteil am Wohnungsmarkt darauf zugreifen können.

Die Verbände sehen darin eine Voraussetzung für gleiche Zugangsmöglichkeiten zwischen privaten Eigentümern und unternehmerischen Akteuren. Die Finanzierung wird damit neben Verfahren, Baukosten und Standards als weiterer zentraler Punkt für die Wohnungsbaupolitik genannt.

Wohnungsbau bleibt politisches Handlungsfeld

Die Einschätzung der EU-Kommission verweist auf einen anhaltenden Rückgang der Wohnungsbauinvestitionen in Deutschland. Nach den Angaben im Länderbericht sind die Investitionen seit 2020 deutlich gesunken.

Die Empfehlungen aus Brüssel konzentrieren sich auf Verwaltung, Digitalisierung, Flächen, Kosten, sozialen Wohnungsbau und Gebäudestandards. Der GdW fordert, diese Punkte in Deutschland zügig in konkrete Maßnahmen umzusetzen.