Immer häufiger greifen Wohnungssuchende in Berlin zu ungewöhnlichen Mitteln: Sie bieten hohe Prämien für Hinweise auf verfügbare Wohnungen. In Prenzlauer Berg etwa hat eine Familie Aushänge verteilt, auf denen ein Finderlohn von 1.000 Euro versprochen wird.
Anna Schmutte und ihr Partner leben bislang in getrennten Wohnungen im Winsviertel. Gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Sohn suchen sie eine Drei-Zimmer-Wohnung im Kiez. „Diese Wohnung ist zwar schön, aber natürlich zu klein. Unser Sohn braucht bald ein eigenes Zimmer“, sagte Schmutte. Die Familie möchte im Viertel bleiben, da sie dort seit vielen Jahren verwurzelt ist.
Kaum Angebote auf dem freien Markt
Laut Schmutte liegt die Wunschmiete bei bis zu 1.600 Euro, notfalls auch etwas höher. Sollte keine passende Lösung gefunden werden, erwägt die Familie, ihre Einraumwohnung zumindest gegen eine Zwei-Zimmer-Wohnung zu tauschen. Doch die Suche gestaltet sich schwierig. „Auch über Makler funktioniert das nicht“, erklärte Schmutte.
Die Probleme spiegeln die allgemeine Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt wider. Nach Daten des Forschungsinstituts Empirica lag die Leerstandsquote in der Hauptstadt im Jahr 2023 bei 0,3 Prozent. 20 Jahre zuvor hatte sie noch 5,1 Prozent betragen. Empirica erfasst dabei ausschließlich sofort oder kurzfristig vermietbare Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Als Referenzwert für ortsübliche Mietpreise kann der qualifizierte Mietspiegel dienen – etwa der Mietspiegel Berlin auf mietspiegeltabelle.de, der aktuelle Kaltmieten je Wohnungsgröße und Lage abbildet.
Vergleich mit anderen Städten
Deutschlandweit zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Während in München zuletzt eine Leerstandsquote von 0,1 Prozent verzeichnet wurde, lag der Wert in Frankfurt am Main und Münster bei jeweils 0,2 Prozent. In Frankfurt (Oder) dagegen standen 8,4 Prozent der Wohnungen leer.
Für viele Wohnungssuchende ist die Auswahl damit stark eingeschränkt. Besonders Wohnungen mit drei oder mehr Zimmern in zentralen Lagen gelten als nahezu nicht verfügbar. „Eine große Wohnung zu finden mit drei, vier oder fünf Zimmern, ist sehr schwierig geworden“, sagte Sebastian Bartels, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. Zur Bewertung von Angebotshöhen und Mietpreisentwicklungen kann man auch die Übersicht über Mietspiegel in deutschen Städten heranziehen, die Berlin im nationalen Vergleich zeigt.
Grenzen bei Vermittlungsgebühren
Neben Finderlöhnen kommt es nach Angaben von Betroffenen auch zu Forderungen nach hohen Vermittlungsgebühren. Schmutte berichtete von einem Fall, in dem 5.000 Euro verlangt wurden. „Das war zu viel, da bin ich abgesprungen“, sagte sie.
Der Berliner Mieterverein warnt vor solchen Praktiken. Bartels erklärte, eine Vermittlungsgebühr sei nur in begrenztem Rahmen erlaubt. Nach dem Wohnungsvermittlungsgesetz müsse jede Vereinbarung schriftlich festgehalten werden. Der Betrag dürfe maximal zwei Monatsmieten betragen. Vorschüsse seien untersagt. Bei geförderten Wohnungen dürfe grundsätzlich keine Vermittlungsgebühr verlangt werden.
Suche über den Kiez hinaus
Trotz der Schwierigkeiten hält die Familie an ihrer Suche fest. Um die Chancen zu erhöhen, hat sie den Suchradius inzwischen über das Winsviertel hinaus ausgeweitet. „Natürlich wächst die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden, wenn wir den Radius vergrößern. Aber bisher hatten wir damit auch kein Glück“, sagte Schmutte.
Insbesondere eine Drei-Zimmer-Wohnung sei schwer zu bekommen. „Das suchen alle“, so die Wohnungssuchende.