Viele Eigentümer stoßen beim Austausch bestehender Heizsysteme an finanzielle Grenzen. Das geht aus einer Studie des Sozialklimarats hervor, die unter anderem von der Arbeitskammer des Saarlandes beauftragt wurde. Untersucht wurden regionale Unterschiede bei der Fähigkeit von Haushalten, Investitionen in neue Heiztechnik zu tragen.
Ein Beispiel liefert eine Familie aus Walhausen im Saarland. Das Ehepaar ließ eine Wärmepumpe installieren, nachdem die zuvor genutzte Ölheizung mehr als drei Jahrzehnte in Betrieb war. Nach eigenen Angaben gab es keine Alternative, da weder Gas- noch Fernwärmeanschlüsse verfügbar waren.
Datengrundlage und Kategorisierung der Haushalte
Die Studie basiert auf einem Datensatz des Marktforschungsunternehmens infas 360 und erfasst rund 42 Millionen Haushalte in Deutschland. Diese wurden in 16 Gruppen eingeteilt, für die jeweils modellhafte Haushaltsprofile erstellt wurden. Berücksichtigt wurden unter anderem Alter, Wohnform, Einkommen und Energiebedarf.
Anhand dieser Merkmale ordneten die Forschenden die Anpassungsfähigkeit der Haushalte an neue Heizsysteme fünf Kategorien zu, von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“. Maßgeblich war dabei, ob Haushalte die notwendigen Investitionen aus eigener Kraft oder mit Förderung leisten können.
Regionale Unterschiede bei der Anpassungsfähigkeit
Im Saarland fällt die Anpassungsfähigkeit laut Studie besonders gering aus. Rund 40 Prozent der Haushalte wurden dort den Kategorien „schlecht“ oder „sehr schlecht“ zugeordnet. Bundesweit liegt dieser Anteil bei etwa 30 Prozent.
Als Gründe nennt die Studie ein im Vergleich niedriges Durchschnittseinkommen, eine überdurchschnittlich hohe Eigentümerquote sowie einen hohen Anteil älterer Gebäude. Auch die Lage auf dem Wohnungsmarkt beeinflusst die Rahmenbedingungen – der Mietspiegel, zum Beispiel für Bottrop, berücksichtigt unter anderem durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen wie den Austausch von Heizungen und deren Einfluss auf Miethöhen.
Auch in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen liegt der Anteil der Haushalte mit geringer Anpassungsfähigkeit mit jeweils rund 38 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Vergleichsweise niedriger ist er in Berlin mit etwa 20 Prozent und in Hamburg mit rund 24 Prozent.
Förderung und verbleibende Kosten
Nach Einschätzung des Sozialklimarats und der Arbeitskammer reichen die bestehenden Förderprogramme für energetische Sanierungen in vielen Fällen nicht aus. Zwar können Haushalte mit einem gemeinsamen Bruttoeinkommen von unter 40.000 Euro derzeit Zuschüsse von bis zu 70 Prozent erhalten. Dennoch verbleiben häufig Kosten, die für viele Betroffene nicht tragbar sind.
Grund dafür sind laut Studie vor allem die weiterhin hohen Anschaffungskosten von Wärmepumpen im Vergleich zu anderen Heizsystemen. Die beiden Institutionen sprechen sich deshalb für eine stärkere Einkommensstaffelung bei Förderprogrammen aus.
Langfristige Kostenbetrachtung
Die Verbraucherzentrale des Saarlandes empfiehlt, bei der Entscheidung für ein Heizsystem nicht nur die Investitionskosten zu berücksichtigen. Energieberaterin Cathrin Becker verweist darauf, dass auch die laufenden Energiekosten über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren einbezogen werden sollten. Gas- und Ölheizungen würden dabei voraussichtlich höhere Gesamtkosten verursachen, unter anderem durch zusätzliche Abgaben.
Auch bei Mietwohnungen spielt die gesetzliche Grundlage für Mieterhöhungen nach Modernisierung eine Rolle – diese wird häufig über die ortsübliche Vergleichsmiete bestimmt, die in einem qualifizierten Mietspiegel wie etwa für Berlin dargestellt wird.
Die Familie aus Walhausen geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass sich ihre Heizkosten nach dem Umstieg auf die Wärmepumpe deutlich reduzieren werden. Zuvor lag der jährliche Verbrauch bei rund 3.500 Litern Heizöl. Für das kommende Jahr erwartet das Ehepaar etwa halb so hohe Kosten.
Auswirkungen auf einkommensschwache Haushalte
Die Studie weist darauf hin, dass Haushalte mit geringem Einkommen und ungünstiger Wohnsituation besonders betroffen sind. Während langfristig Einsparungen möglich sein können, fehlt vielen derzeit die finanzielle Grundlage für die notwendigen Investitionen.
Nach Einschätzung der Autoren besteht die Gefahr, dass sich die wirtschaftliche Lage dieser Haushalte durch die Umstellung auf neue Heizsysteme kurzfristig weiter verschärft. Die Untersuchung liefert damit Hinweise auf Verteilungswirkungen der aktuellen Sanierungsanforderungen im Gebäudebereich.