Hochhaus in Babenhausen bleibt weiter gesperrt

Vor zehn Wochen wurde ein Hochhaus in Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) nach einem Fassadenschaden evakuiert. Seitdem sind die rund 200 Bewohner nicht mehr in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Viele leben weiterhin in provisorischen Unterkünften, einige berichten von besonders schwierigen Bedingungen.

Leben in Garage und Gartenlaube

Der 77-jährige Eduard Krzischkowski wohnt seit der Evakuierung in seiner Garage. Nach eigenen Angaben verfügt er dort weder über Strom noch fließendes Wasser. Er schläft auf einer Matratze am Boden und wäscht sich mit Wasser aus einem Eimer. „Ich vermisse meine Wohnung sehr. Ich weiß nicht, wie es so weitergehen soll“, erklärte er.

Manfred Weber lebt in einer Gartenlaube seines Schrebergartens. Dort hat er Kleidung und Möbelstücke aus der Wohnung untergebracht. Er beschreibt die Wohnsituation als beengt und ohne Komfort. „Ich will auf jeden Fall eine neue Wohnung , aber das ist mit Hund und meinen finanziellen Verhältnissen nicht einfach“, sagte er.

Unterbringung bei Bekannten und im Hotel

Marta Glowacka wohnt seit Juni mit ihrem Mann, ihrer Schwägerin und einem Hund im Wohnzimmer von Bekannten in Bad Soden-Salmünster. Das Zimmer sei für drei Personen und zwei Hunde zu klein, erklärte sie. Zudem sei der Weg zu Schule und Ausbildungsplatz mit mehr als 100 Kilometern sehr weit.

Ein weiteres Ehepaar, beide schwerbehindert, lebt derzeit in einem Hotelzimmer. Der Mann, der anonym bleiben möchte, berichtete von psychischen Belastungen und gesundheitlichen Problemen. „Am Anfang haben wir gehofft, schnell wieder zurückkehren zu können. Aber die Hoffnung ist nicht mehr da“, sagte er.

Stadt sieht begrenzte Möglichkeiten

Laut Bürgermeister Dominik Stadler (parteilos) bemüht sich die Stadtverwaltung, Wohnraum zu organisieren. „Wir haben immer noch 87 Menschen, die eine Wohnung suchen“, erklärte er. Gleichzeitig seien der Stadt Grenzen gesetzt: „Wir können keinen Wohnraum aus der Erde stampfen.“

Unklar ist weiterhin, wann die Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren können. Stadler zufolge gebe es immer wieder neue Erkenntnisse zur Gebäudestatik und zu Schäden wie herausgebrochenen Fenstern. Ein Maßnahmenkatalog liege der Bauaufsicht vor, über den noch entschieden werden müsse. Erst danach könnten Kosten ermittelt und in einer Eigentümerversammlung beschlossen werden.