Mehr Sozialwohnungen in Rheinland-Pfalz – Zahl der preisgebundenen Wohnungen sinkt dennoch weiter
In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der geförderten Sozialwohnungen im ersten Halbjahr 2025 gestiegen. Zugleich verlieren zahlreiche bestehende Wohnungen ihre Mietpreisbindung, was die Gesamtzahl der Sozialwohnungen im Land verringert.
Landesförderung deutlich ausgeweitet
Nach Angaben der Landesregierung wurden im ersten Halbjahr 2025 rund 1.253 Sozialmietwohnungen mit Landesmitteln gefördert. Im gesamten Jahr 2024 waren es 1.800 gewesen. Bereits jetzt entspricht die Förderung von rund 278 Millionen Euro etwa vier Fünfteln der Gesamtsumme des Vorjahres. Hintergrund ist der Doppelhaushalt 2025/26, in dem 700 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen sind – doppelt so viel wie zuvor.
Der Landtagsabgeordnete Andreas Hartenfels (BSW) zeigte sich dennoch unzufrieden. „Dass für 100 Prozent mehr Geld nur 30 Prozent mehr Wohnungen gebaut werden, ist enttäuschend“, sagte er dem SWR. Er betonte zugleich, dass die Zahlen für das Gesamtjahr abzuwarten seien.
Wohnungswirtschaft lobt Förderpolitik
Vertreter der Wohnungswirtschaft bewerten die Förderpolitik positiver. Adalbert Fettweiß, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Wohnungsunternehmen, erklärte, die Förderbedingungen seien im Vergleich zu anderen Bundesländern angemessen. Ein Grund dafür sei, dass die Landesregierung geplante Kürzungen der Tilgungszuschüsse für Bauherren nicht vollständig umgesetzt habe.
Ursprünglich war vorgesehen, die Fördermittel zu verdoppeln, gleichzeitig aber Tilgungszuschüsse zu streichen. Nach Kritik aus der Branche wurden diese lediglich gesenkt. Mehrere Wohnungsbaugesellschaften hatten ihre Projekte zuvor infrage gestellt.
Zahl der Sozialwohnungen sinkt trotz Neubau
Trotz steigender Neubauten nimmt die Gesamtzahl der Sozialwohnungen weiter ab. Laut Angaben der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) fallen in den kommenden Jahren zahlreiche Wohnungen aus der Mietpreisbindung.
Bis 2029 verlieren in Trier rund 925 von derzeit 3.472 Sozialwohnungen ihren Status, in Mainz sind es 1.915 von knapp 6.200 und in Ludwigshafen etwa 3.300 von 4.800 Wohnungen. Durch den Neubau kann dieser Rückgang voraussichtlich nicht vollständig ausgeglichen werden.
Auch nach dem Auslaufen der Mietpreisbindung gelten jedoch gesetzliche Begrenzungen: Mieten dürfen innerhalb von drei Jahren um höchstens 15 Prozent steigen.
Kritik der Opposition und Hinweise auf lange Bearbeitungszeiten
Die CDU-Fraktion im Landtag kritisierte die Wohnungspolitik der Landesregierung. Laut Karina Wächter, wohnungsbaupolitische Sprecherin der CDU, seien die Verfahren zu langwierig und die Förderpolitik nicht ausreichend ambitioniert. Besonders in Ballungsräumen fehle es an Angeboten für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen.
Auch die Wohnungswirtschaft weist auf Verzögerungen bei der Förderbank ISB hin. Fettweiß berichtete, Antragsteller hätten zeitweise bis zu einem Jahr auf die Bewilligung warten müssen. Inzwischen laufe das Verfahren nach seinen Angaben wieder zügiger.
Baukosten bleiben entscheidender Faktor
Nach Einschätzung von Fettweiß bremsen vor allem hohe Baukosten den sozialen Wohnungsbau. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Baukosten von 2021 auf 2022 um etwa 15 Prozent. Der Kostenanstieg habe sich zwar verlangsamt, bleibe auf hohem Niveau.
Ein Beispiel für kosteneffizienteres Bauen ist ein Projekt in Trier, bei dem auf einem ehemaligen Busdepot 130 Sozialwohnungen in serieller Bauweise entstehen. Das Land fördert den Bau mit 17 Millionen Euro. Die Mieten sollen zwischen 6,80 und 7,70 Euro pro Quadratmeter liegen.
Herausforderungen bei Sanierungen und Bestandswohnungen
Daniel Kießlinger, Geschäftsführer der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz, bezeichnete den Neubau als Fortschritt, sieht aber größere Probleme im Bestand. Viele ältere Wohnungen entsprächen nicht mehr den heutigen Standards. Besonders Haushalte mit geringem Einkommen oder Geflüchtete hätten Schwierigkeiten, geeigneten und schimmelfreien Wohnraum zu finden.
Laut Fettweiß lohne sich für viele Unternehmen die Sanierung solcher Objekte wirtschaftlich kaum. Er sprach von einem Zielkonflikt zwischen gesetzlichen Vorgaben – etwa zu Barrierefreiheit, Schallschutz oder Energieeffizienz – und den erzielbaren Mieten. Förderprogramme könnten die Mehrkosten nur teilweise ausgleichen.
Forderungen nach Anpassung von Bauvorschriften
Um den sozialen Wohnungsbau zu stärken, plädiert die Wohnungswirtschaft für reduzierte Bau- und Klimaschutzstandards. Einige Erleichterungen wurden bereits in der jüngsten Novelle der Landesbauordnung beschlossen.
Experten des Petzel-Instituts schätzen, dass in Rheinland-Pfalz derzeit etwa 28.000 Sozialwohnungen fehlen. Sollte der Neubau nicht schneller vorangehen, könnte die Lücke bis 2030 auf 30.000 Wohnungen anwachsen.