Die Mietpreise für neu angebotene Wohnungen haben sich in vielen Regionen Deutschlands seit 2015 stark erhöht. Daten des NDR auf Basis von Value Marktdaten zeigen, dass die Quadratmeterpreise in Großstädten, deren Umland und zunehmend auch in ländlichen Gebieten steigen. In zahlreichen Städten liegt die Monatsmiete für 70 Quadratmeter bereits über 1.000 Euro kalt.
In den letzten zehn Jahren mussten Wohnungssuchende vielerorts rund 40 Prozent mehr bezahlen als zuvor. Damit haben sich die Kosten insbesondere für jüngere Haushalte deutlich erhöht, die häufiger auf den freien Markt angewiesen sind.
Datenbasis und regionale Unterschiede
Die ausgewerteten Daten beruhen auf online veröffentlichten Mietanzeigen seit 2015. Erfasst wurden ausschließlich Angebotsmieten für Wohnungen, die neu vermietet werden. Bestandsmieten sind nicht Bestandteil der Analyse. Regionen mit wenigen Annoncen wurden rechnerisch ergänzt, um flächendeckende Aussagen zu ermöglichen.
Besonders hohe Preise verzeichnen die großen Städte und deren Randlagen. In Berlin und Frankfurt am Main liegen die durchschnittlichen Angebotspreise bei etwa 16 Euro pro Quadratmeter. Auch Hamburg und Köln bewegen sich in einem ähnlichen Bereich. Im Umland vieler Metropolen werden inzwischen mehr als zehn Euro pro Quadratmeter erreicht.
Höchste Mieten in München
Die höchsten Durchschnittspreise finden sich in München, wo der Quadratmeter über 22 Euro kostet. Dies betrifft den gesamten Stadtdurchschnitt; in einzelnen Stadtteilen liegen die Werte darüber. Für eine 50-Quadratmeter-Wohnung ergibt sich rechnerisch eine Kaltmiete jenseits der 1.000-Euro-Marke. Eine Wohnfläche von 100 Quadratmetern erreicht über 2.200 Euro im Monat.
Auch Gemeinden im Münchener Umland liegen über den Niveaus anderer deutscher Großstädte.
Flächenverbrauch und Umzugsbarrieren im Bestand
Laut Zensus 2022 stehen in München ältere Haushalte über 65 Jahren im Schnitt bei 60 Quadratmetern pro Person. Jüngere Bevölkerungsgruppen nutzen im Schnitt rund 40 Quadratmeter pro Kopf. Viele Senioren leben in früheren Familienwohnungen, die deutlich größer sind als der Durchschnitt.
Ein Umzug in kleinere Wohnungen ist für diese Gruppe laut Analyse oft finanziell unattraktiv, da für geringere Wohnflächen häufig höhere Quadratmeterpreise anfallen würden. Dieser sogenannte Lock-In-Effekt führt laut den erhobenen Daten dazu, dass größere Einheiten dem Markt weniger zur Verfügung stehen.
Deutliche Preissteigerungen auch im ländlichen Raum
Nicht nur Großstädte, sondern auch kleinere Kommunen verzeichnen deutliche Mietzuwächse. In Heide (Schleswig-Holstein) stiegen die Angebotsmieten seit 2015 um rund 80 Prozent. Der Quadratmeterpreis erhöhte sich von unter sechs Euro auf fast zehn Euro.
Ähnliche Entwicklungen wurden in weiteren ländlichen Regionen beobachtet. In vielen Orten sind die Mieten im Vergleich zum Jahr 2015 um mehr als 50 Prozent gestiegen. In Berlin liegen die Angebotsmieten heute über 80 Prozent höher; in der Nachbarstadt Erkner haben sich die Preise laut Auswertung mehr als verdoppelt.
Günstigere Regionen mit strukturellen Nachteilen
Wohnungen unter acht Euro pro Quadratmeter finden sich weiterhin vor allem im Osten Deutschlands abseits größerer Städte sowie in Regionen wie dem Harz. Dort bestehen allerdings häufig Einschränkungen bei Verkehrsanbindung und Arbeitsmarkt.
Die Analysten verweisen darauf, dass hohe Baukosten und eine steigende Nachfrage die Preissituation verstärken. Maßnahmen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus könnten kurzfristig keine spürbare Entlastung bringen. Zudem wird auf Potenziale einer effizienteren Nutzung bestehender Wohnflächen hingewiesen, ohne dass konkrete kurzfristige Lösungswege genannt werden.
Mietspiegel als Orientierung für Mieter und Vermieter
Als mögliches Instrument zur Einordnung von Mietpreisen wird der Mietspiegel genannt. Auf der Website mietspiegeltabelle.de wird erklärt, was ein Mietspiegel ist und wie er sich in Deutschland unterscheidet zwischen einfachem und qualifiziertem Mietspiegel.
Dort wird auch die Bedeutung der sogenannten ortsüblichen Vergleichsmiete beschrieben. Sie dient als Maßstab für Mietpreise und kann helfen, Neuvertragsmieten einzuschätzen.
Dies kann Betroffenen als Orientierung dienen, wenn sie Angebote vergleichen oder die Angemessenheit einer verlangten Miete beurteilen wollen.