Mieter übernehmen Wohnhaus in München

Die Bewohner eines Mehrparteienhauses in der Wörthstraße 8 in München haben das Gebäude nach einem mehrjährigen Prozess selbst erworben. Der Kauf kam zustande, nachdem der Eigentümer eine der beiden Haushälften zum Verkauf angeboten hatte. Die Immobilie befindet sich in Haidhausen nahe dem Bordeauxplatz und umfasst 14 Wohneinheiten.

Verkaufsanzeige löst Projekt aus

Im Sommer 2022 wurde eine Verkaufsanzeige entdeckt, in der der Eigentümer für seinen Anteil des Hauses 6,5 Millionen Euro ansetzte. Die zweite Haushälfte gehörte seiner Schwester. Die damaligen Mieten lagen laut Angaben von Bewohnern zwischen sechs und zwölf Euro pro Quadratmeter, deutlich unter den üblichen Vergleichsmieten laut Mietspiegel München, der als Referenz für ortsübliche Mieten dient. Die Möglichkeit eines Verkaufs führte zu Gesprächen innerhalb der Mietergemeinschaft über ein gemeinsames Vorgehen.

Im selben Jahr nahmen Vertreter der Hausgemeinschaft Kontakt zu den Eigentümern auf. Die Schwester erklärte laut Darstellung der Beteiligten ihre Bereitschaft, ihren Anteil einer gemeinnützigen Stiftung zu übertragen. Der Eigentümer stellte gleichzeitig in Aussicht, seinen Anteil an die Bewohner für fünf Millionen Euro zu verkaufen.

Strukturierung über Verein und GmbH

Für die Umsetzung gründeten die Beteiligten den Verein „Wörth 8“ und später eine GmbH. Diese Konstruktion wurde gemeinsam mit dem sogenannten Mietshäuser-Syndikat aufgebaut, das als zweiter Gesellschafter fungiert. Ziel dieses Modells ist laut Angaben der Beteiligten die langfristige Bindung der Immobilie an gemeinschaftliches Eigentum und die Absicherung gegen spätere Weiterverkäufe.

Parallel wurde vereinbart, dass der Grundbesitz per Erbbaurecht von der Stiftung an die neue Hausgesellschaft verpachtet wird. Die Immobilie selbst sollte in das Eigentum der GmbH übergehen.

Finanzierung: Direktkredite, Förderung, Bankdarlehen

Zur Finanzierung sammelte die Hausgemeinschaft ab 2023 Direktkredite ein. In den ersten Monaten blieb das Volumen im sechsstelligen Bereich. Mehrere Bewohner verließen in dieser Phase das Projekt. Später stieg die externe Aufmerksamkeit, nachdem Medien über das Vorhaben berichtet hatten. Nach Angaben von Andy Ebert, der das Projekt mit koordinierte, führte dies zu einem deutlichen Anstieg der finanziellen Zusagen. Insgesamt stellten mehr als 200 Personen rund 2,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Im August 2023 beschloss der Münchner Stadtrat eine Förderung in Höhe von 1,25 Millionen Euro. Als Gegenleistung wurden fünf Wohnungen des Hauses für geförderten Wohnraum vorgesehen. Laut Bewohnern war dieses Modell als Pilotprojekt geplant. Aufgrund der späteren Haushaltslage der Stadt wurde die betreffende Förderlinie inzwischen ausgesetzt.

Kaufabschluss und Übernahme

Im Februar 2025 wurden die Kaufverträge unterzeichnet. Der Kaufpreis von 4,2 Millionen Euro wurde nach Angaben der Hausgemeinschaft wenige Wochen vor Veröffentlichung der Informationen überwiesen. Die Kombination aus Direktkrediten, kommunaler Förderung und einem Bankdarlehen ermöglichte demnach die Gesamtfinanzierung.

Seit dem Eigentumsübergang wird das Haus selbstverwaltet. Die Gemeinschaft sanierte vier zuvor leerstehende Wohnungen, deren Vergabe über den Verein erfolgte. Neue Bewohner werden laut Angaben der Verantwortlichen so ausgewählt, dass sie am Projekt teilnehmen wollen.

Mietniveau und internes Modell

Nach dem Erwerb erhöhte sich die durchschnittliche Miete im Gebäude von etwa zehn auf zwölf Euro pro Quadratmeter. Diese Entwicklung kann im Kontext der ortsüblichen Vergleichsmiete gesehen werden, die für München als Referenz bei Mietpreisfragen dient. Laut den Organisatoren wurde ein internes solidarisches System eingeführt, das nicht ausschließlich auf Quadratmeterpreisen basiert. Ziel sei es gewesen, den Verbleib aller bestehenden Bewohner zu gewährleisten.

Faktoren für den Erfolg

Als entscheidende Faktoren für den Ablauf wurden drei Punkte genannt:

1. Bereitschaft der Eigentümer
Die Verkäufer hätten laut Darstellung der Beteiligten Zeit eingeräumt und die Verhandlungen unterstützt.

2. Zeitpunkt und öffentliche Aufmerksamkeit
Die mediale Berichterstattung habe zahlreiche Direktkredite ermöglicht.

3. Kooperation innerhalb der Hausgemeinschaft
Die interne Zusammenarbeit wird von Beteiligten als wesentlicher Bestandteil des Erfolgs bezeichnet.

Das Gebäude wird nun langfristig durch die neue Struktur aus Verein, GmbH und Mietshäuser-Syndikat gesichert und soll nicht weiterverkauft werden.