Im Freiburger Stadtteil Waldsee sollen drei ehemalige Offiziershäuser durch größere Neubauten ersetzt werden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) plant, die bestehenden Gebäude aus dem Jahr 1953 abzureißen und durch moderne Wohnbauten mit bis zu 32 Wohnungen zu ersetzen. Die aktuellen Bewohner sprechen sich gegen den Abriss aus und setzen sich für eine Sanierung und Aufstockung der bestehenden Bauten ein.
Nach Angaben der BImA sollen auf dem Grundstück künftig bis zu 32 Wohnungen entstehen, statt der bisherigen 12. Die Mieter der drei Häuser – insgesamt neun Familien – halten den Abriss für nicht erforderlich. Sie verweisen auf den guten Zustand der Wohnungen und kritisieren eine aus ihrer Sicht unnötige Zerstörung von Substanz und Ressourcen.
Sanierungsalternative vorgestellt
Unterstützt wird der Protest von Altbausanierer Willi Sutter, der seit Jahrzehnten in Freiburg tätig ist. Er schlägt vor, die Dachgeschosse der bestehenden Häuser auszubauen und um eine Etage aufzustocken. Auch die vorhandenen Garagen könnten baulich erweitert und mit zusätzlichen Wohneinheiten überbaut werden. Nach seinen Berechnungen ließe sich auf diese Weise die gleiche Wohnfläche schaffen wie durch einen kompletten Neubau.
Die BImA hält diesen Vorschlag jedoch für nicht wirtschaftlich. In einer Stellungnahme verweist sie auf eine entsprechende Prüfung, der zufolge die Sanierungsvariante „deutlich unwirtschaftlicher“ sei als ein Neubau. Zudem widerspricht die Behörde der Einschätzung der Mieter hinsichtlich des baulichen Zustands der Häuser. Demnach sei der Gesamtzustand der Gebäude nicht mit heutigen Wohnstandards vereinbar. Elektrik, Trinkwasser- und Heizungsleitungen stammen laut BImA noch aus dem Baujahr 1953.
Mängel und rechtliche Hürden
Zusätzlich führt die BImA erhebliche bauliche Mängel an. So gebe es statische Probleme, Schimmelbildung sowie eine unzureichende Schalldämmung. In mehreren Fällen seien daher Mietminderungen ausgesprochen worden. Eine bauliche Erweiterung der Garagen sei aus rechtlichen Gründen nicht zulässig.
Die Mieter verweisen ihrerseits auf Umweltaspekte und werden dabei von Bauphysiker Wilhelm Stahl beraten. Nach seinen Angaben sei der Abriss aus klimapolitischer Sicht problematisch. Eine Sanierung verursache weniger Abfall und verbrauche deutlich weniger Ressourcen. Eine nähere Einordnung zu ortsüblichen Mietpreisen bietet etwa der Mietspiegel Freiburg mit aktuellen Vergleichswerten um 10,81 €/m², die als Orientierung für Wirtschaftlichkeit und Tragfähigkeit dienen kann. Laut Stahl wäre ein Umbau der bestehenden Gebäude nachhaltiger als ein kompletter Neubau.
Stadt Freiburg unterstützt Neubaupläne
Das Stadtplanungsamt Freiburg spricht sich ebenfalls für den geplanten Neubau aus. Laut Stellungnahme der Stadt bietet dieser eine bessere Barrierefreiheit, höhere energetische Standards sowie eine bessere Ausnutzung der Grundstücksfläche durch zusätzliche Grünflächen. Die Grundfläche der neuen Gebäude soll der bisherigen entsprechen, die künftigen Bauten sollen jedoch drei statt zwei Geschosse haben.
Der Abriss ist nach Angaben der BImA für das Frühjahr oder den Sommer 2026 vorgesehen. Für die Übergangszeit bietet die Behörde den betroffenen Mietern Ersatzwohnungen an. Außerdem wird zugesichert, dass sie nach Fertigstellung in eine der neuen Wohnungen zurückkehren können – zu einem gedeckelten Mietpreis von zehn Euro pro Quadratmeter. Ergänzend verweist der Mietspiegel Freiburg auf unterschiedliche Wohnlagen und Baualtersklassen, die bei der Bewertung solcher Mietpreise üblich sind.
Juristische Auseinandersetzung möglich
Die Mieter haben gegen die bereits ausgesprochenen Kündigungen Widerspruch angekündigt. Sie wollen rechtliche Schritte prüfen und weiterhin auf eine Änderung der Pläne hinwirken. Ob die Häuser erhalten bleiben oder durch Neubauten ersetzt werden, ist derzeit offen. Eine gerichtliche Klärung ist nicht ausgeschlossen.