Weniger Baugenehmigungen in Niedersachsen

Die Bautätigkeit in Niedersachsen bleibt rückläufig. Nach aktuellen Zahlen des Landesamts für Statistik wurden im ersten Halbjahr 2025 knapp 3.000 neue Wohngebäude mit rund 7.700 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Rückgang um etwa 300 Gebäude und 650 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2022 lag die Zahl der genehmigten Wohngebäude im selben Zeitraum noch bei 7.591 mit insgesamt 17.222 Wohnungen.

Auch die Zahl der Fertigstellungen sinkt. 2024 wurden landesweit 19.352 Wohnungen in Neubauten fertiggestellt, fast ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Bereits 2023 war ein Rückgang zu verzeichnen.

Verband spricht von starkem Rückgang

Der Verband der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen und Bremen (vdw) verwies auf die seit längerem geäußerten Warnungen. „Der Wohnungsbau in Niedersachsen erlebt einen beispiellosen Absturz“, erklärte Verbandsdirektorin Susanne Schmitt beim Verbandstag in Osnabrück.

Laut vdw wurden 2021 noch rund 700 Millionen Euro in Neubauprojekte investiert. Im laufenden Jahr erwartet der Verband lediglich ein Volumen von etwa 365 Millionen Euro. Schmitt erklärte, sie rechne nicht mit einer kurzfristigen Erholung des Marktes.

Ministerpräsident fordert Unterstützung des Bundes

Ministerpräsident Olaf Lies betonte, Niedersachsen setze sich weiterhin dafür ein, die Rahmenbedingungen für mehr Wohnungsbau zu verbessern. „Unser Ziel bleibt: Wir wollen mehr Wohnraum in Niedersachsen schaffen, den sich die Menschen auch wirklich leisten können“, sagte Lies. Zugleich verwies er auf die Mitverantwortung des Bundes. Nötig seien unter anderem Anpassungen im Zivilrecht und im Baugesetzbuch, um mehr Bauland zu schaffen und vereinfachte Bauformen wie den Gebäudetyp E zu ermöglichen.

Der Gebäudetyp E basiert auf einer Initiative von Architektenschaft und soll durch Verzicht auf bestimmte Standards einfacheres und kostengünstigeres Bauen erlauben.

Auftragseingänge steigen trotz Genehmigungsrückgang

Lies verwies zugleich auf positive Entwicklungen: Im ersten Halbjahr 2025 sei der Umsatz im Wohnungsbau um 4,9 Prozent gestiegen, die Auftragseingänge legten um 21,9 Prozent zu. „Das zeigt, dass grundsätzlich noch Bewegung im Markt ist und Investitionen weiterhin getätigt werden“, sagte der Regierungschef. Der Rückgang bei den Baugenehmigungen bleibe jedoch eine Herausforderung.

Landesregierung setzt auf eigene Gesellschaft

Um Bauprojekte zu ermöglichen, gründete die Landesregierung Ende 2023 die landeseigene Wohnungsgesellschaft „Wohnraum Niedersachsen GmbH“. Sie startete mit einem Kapital von 100 Millionen Euro und soll Projekte unterstützen, die sonst nicht umgesetzt würden. Die Gesellschaft tritt dabei nicht selbst als Bauherrin auf.

Nach Angaben von Lies soll die Gesellschaft weiter gestärkt werden. Geplant ist, sowohl ihr Kapital als auch den Wohnraumförderfonds mit jeweils 200 Millionen Euro zusätzlich auszustatten. Auch private Bauherren greifen zunehmend auf die soziale Wohnraumförderung zurück.

Branche fordert Abbau von Hürden

Nach Einschätzung der Wohnungswirtschaft sind vor allem niedrigere Baukosten entscheidend für eine Trendwende. Schmitt forderte schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine Absenkung von Baustandards. Zusätzlich sei mehr Bauland erforderlich, insbesondere für geförderte Projekte.

Die Branche verweist auf Belastungen durch gestiegene Material- und Energiepreise, höhere Zinsen und den Mangel an Fachkräften. Gleichzeitig beklagen Mieter seit Jahren steigende Mieten, während die Zahl der Sozialwohnungen kontinuierlich zurückgeht. Hinweise für ortsübliche Vergleichsmiete bieten qualifizierte Mietspiegel wie etwa der Mietspiegel Wolfsburg oder der Mietspiegel Verden, die Informationen zur Durchschnittsmiete liefern und als Anhaltspunkt dienen können.