Die Kosten für WG-Zimmer an deutschen Hochschulstandorten sind zum Sommersemester 2026 erneut gestiegen. Nach Zahlen des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) werden für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft im Durchschnitt 512 Euro pro Monat fällig. Das sind 3,9 Prozent mehr als zu Beginn des Sommersemesters 2025. Grundlage der Untersuchung sind 89 Hochschulstandorte mit jeweils mehr als 5.000 Studierenden.
Nach Einschätzung des Instituts hat sich das Tempo der Preissteigerungen zwar etwas abgeschwächt. Das Mietniveau bleibe jedoch hoch. Zugleich verändere sich die Marktstruktur. Während sich Durchschnittswerte in mehreren Metropolen stabilisierten, gerieten günstigere Angebote zunehmend unter Druck. Das betreffe nicht nur Studierende, sondern auch Auszubildende und andere Personen mit begrenztem Budget für Wohnkosten.
Günstige Angebote werden knapper
Projektleiter Stefan Brauckmann sprach von einer Stabilisierung, die nur auf den ersten Blick erkennbar sei. Vor allem im unteren Preissegment werde der Spielraum kleiner. Damit nehme die Belastung für Haushalte zu, die bereits einen hohen Anteil ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden müssten.
Die Unterschiede zwischen Regionen und Städten bleiben deutlich. Besonders hoch sind die durchschnittlichen WG-Mieten laut der Auswertung in Bayern mit 605 Euro sowie in Hamburg und Berlin mit jeweils 650 Euro. Am unteren Ende liegen Sachsen-Anhalt mit 358 Euro und Sachsen mit 372 Euro. Unter den Städten weist München mit durchschnittlich 800 Euro den höchsten Wert auf.
Nachfrage konzentriert sich auf günstige Zimmer
Nach Angaben von Annegret Mülbaier vom Portal WG-Gesucht.de bündelt sich die Nachfrage auf der Plattform stark auf die noch vergleichsweise günstigen Angebote. Das Unternehmen unterstützte die Erhebung als Kooperationspartner. Viele Zimmer seien häufig noch am selben Tag vergeben. Für Studierende werde die Suche daher zunehmend zu einem Wettbewerb um kurzfristig verfügbare und bezahlbare Angebote.
Zugleich beobachtet das Portal, dass Suchende häufiger Kompromisse eingehen. Das betreffe etwa die Lage der Wohnung oder die Größe des Zimmers. Nach Darstellung des MMI ist diese Entwicklung Teil eines länger anhaltenden Trends. Das Institut untersucht die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende seit 2011.
Download Markt-Mietspiegel als PDF-Dokument:
Der Marktmietspiegel basiert auf aktuellen, tatsächlichen Preisen der Immobilienwirtschaft und ist kein amtlicher Mietspiegel. Laden Sie hier den ausführlichen Marktmietspiegel als PDF-Dokument herunter.
BAföG-Pauschale liegt vielfach unter den tatsächlichen Kosten
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass 83,4 Prozent der Studierenden an Standorten eingeschrieben sind, an denen die durchschnittlichen Wohnkosten oberhalb der BAföG-Wohnkostenpauschale liegen. Diese Pauschale beträgt derzeit 380 Euro und wurde bislang nicht angepasst. Nach Einschätzung des Instituts reicht dieser Betrag in Teilen des Marktes nicht mehr aus.
Selbst eine Anhebung auf 440 Euro würde die Lage nach Angaben des MMI nur teilweise entspannen. Ein erheblicher Teil der Studierenden läge weiterhin über diesem Betrag. Das Institut verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass sich die Problematik nicht auf BAföG-Empfänger beschränkt, sondern grundsätzlich alle betrifft, die auf günstigen Wohnraum angewiesen sind.
West-Ost-Unterschiede bleiben bestehen
Im Ländervergleich zeigt sich weiterhin ein West-Ost-Gefälle, das sich nach den Angaben der Studie jedoch langsam abschwächt. Auch in ostdeutschen Hochschulstädten seien die Mieten zuletzt gestiegen, allerdings ausgehend von einem niedrigeren Niveau. Damit näherten sich die Werte in einzelnen Regionen an, ohne dass die Unterschiede bereits verschwunden seien.
In großen Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zeigt sich laut der Analyse eine breite Spannweite. Für Nordrhein-Westfalen wird ein Durchschnittswert von 485 Euro genannt, für Niedersachsen ein Wert von 431 Euro. Innerhalb dieser Länder reichen die Werte von Städten mit hohen Durchschnittskosten wie Düsseldorf mit 630 Euro, Köln mit 620 Euro und Bonn mit 510 Euro bis zu günstigeren Standorten wie Bielefeld mit 375 Euro und Bochum mit 385 Euro.
Nebenkosten als zusätzlicher Risikofaktor
Als weiteren Unsicherheitsfaktor nennt das MMI die Entwicklung der Energiekosten. Nach Angaben von Brauckmann machen Nebenkosten bei Wohngemeinschaften und Wohnheimzimmern einen vergleichsweise hohen Anteil an den gesamten Wohnkosten aus. Veränderungen bei den Energiepreisen könnten daher direkte Auswirkungen auf die monatliche Belastung haben.
Sollten die Energiepreise infolge der aktuellen Weltlage weiter steigen, könnte sich der derzeit eher moderate Preistrend nach Einschätzung des Instituts wieder beschleunigen. Das MMI sieht deshalb vor allem beim Angebot Handlungsbedarf. Aus Sicht des Instituts ist eine Ausweitung von budgetorientierten Wohnungen und Wohnheimplätzen erforderlich. Entscheidend sei letztlich, ob ausreichend Wohnraum im unteren Preissegment zur Verfügung steht.