Die Wohngeldreform der Bundesregierung aus dem Jahr 2023 hat zu einem deutlichen Anstieg der Empfängerzahlen geführt. Laut Bundesbauministerium beziehen inzwischen rund 1,2 Millionen Haushalte in Deutschland Wohngeld – etwa doppelt so viele wie vor der Reform. Die Maßnahme erhöht nicht nur die Zahl der Berechtigten, sondern auch die durchschnittliche Höhe des Wohngeldes um etwa 50 Prozent.
In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Empfänger bis zum Jahreswechsel 2023/2024 auf 323.845 Personen. Ein Drittel davon lebt im Ruhrgebiet. Besonders stark fiel der Anstieg im Kreis Recklinghausen aus, wo sich die Empfängerzahl seit 2022 mehr als verdoppelte.
Kritik aus Nordrhein‑Westfalen: Landesanteil an Kosten verdreifacht
Die nordrhein‑westfälische Landesbauministerin Ina Scharrenbach (CDU) kritisiert die Reform. Nach Angaben ihres Ministeriums lag der Landesanteil an den Wohngeldkosten vor der Reform bei 218 Millionen Euro, während er im Jahr 2024 auf 645 Millionen Euro stieg. Dies sei eine erhebliche Mehrbelastung für den Landeshaushalt.
Zudem äußerte Scharrenbach Zweifel an der Wirksamkeit der Reform. Sie vermutet, dass die Wohngeldanhebung einen Anreiz für Mietsteigerungen geschaffen haben könnte. Ihr Ministerium erklärte auf Anfrage, dass der Anteil der Haushalte, die mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden, trotz der Reform nicht gesunken sei – konkrete Daten oder Quellen zur Untermauerung wurden jedoch nicht genannt.
Bundesbauministerium verweist auf europäische Statistik
Das Bundesbauministerium verweist zur Bewertung der Reform auf Zahlen der EU‑SILC‑Statistik. Demnach sank der Anteil der Bevölkerung mit hoher Wohnkostenbelastung von 13 Prozent im Jahr 2023 auf 12 Prozent im Jahr 2024. Hinweise darauf, dass das ausgeweitete Wohngeld zu Mietsteigerungen geführt habe, liegen dem Ministerium nach eigenen Angaben nicht vor.
Ein Sprecher erklärte, die Reform habe sich bewährt und eine Entlastung bewirkt. Etwa 600.000 Haushalte, die zuvor keine Unterstützung erhielten, würden nun bei Wohnkosten entlastet – sowohl Mieter als auch Eigentümer von selbstgenutztem Wohnraum.
Gelsenkirchen: Zusätzlicher Personalbedarf durch mehr Anträge
In Gelsenkirchen reagierte die Verwaltung mit einer personellen Aufstockung auf den Anstieg der Anträge. Die Zahl der Planstellen in der Wohngeldstelle wurde von elf auf 25 erhöht. Die Sozialdezernentin Andrea Henze (SPD) bezeichnete die Reform als erfolgreich. Sie erklärte, das Geld erreiche die Bevölkerung wie beabsichtigt. Allerdings äußerte sie den Wunsch, dass die Mehrkosten für zusätzliches Personal vom Bund übernommen würden.
Fazit
Die Auswirkungen der Wohngeldreform bleiben kontrovers. Während das Bundesbauministerium von einer entlastenden Wirkung spricht, fordert Nordrhein‑Westfalens Bauministerin weitere Prüfungen zur tatsächlichen Effizienz und zu möglichen Mietpreisfolgen. Eine abschließende Bewertung zur Wirkung auf die Mietentwicklung liegt bislang nicht vor.