Wohnkosten für Singles in Baden-Württemberg

Mehr als 900 Euro für 35 Quadratmeter: In Baden-Württemberg ist es für viele Alleinstehende schwierig, eine eigene Wohnung zu finanzieren. Das zeigt eine Auswertung des SWR Data Lab auf Basis des sogenannten Carrie-Bradshaw-Index. Der interaktive Rechner soll anzeigen, in welchen Orten eine kleine Wohnung mit dem jeweiligen Einkommen als erschwinglich gilt.

Ausgangspunkt der Recherche sind unter anderem Zuschriften von Bürgerinnen und Bürgern im Vorfeld der Landtagswahl 2026. Darin schildern mehrere Personen, dass sie trotz Vollzeitbeschäftigung weiterhin in Wohngemeinschaften oder im Elternhaus leben, weil die Mietkosten für eine eigene Wohnung zu hoch seien.

Index misst Verhältnis von Miete zu Einkommen

Der Carrie-Bradshaw-Index geht auf eine Idee der Zeitschrift „The Economist“ zurück. Benannt ist er nach der Hauptfigur der Serie „Sex and the City“, die allein in einer kleinen Wohnung lebt. In der Auswertung des SWR gelten Wohnungen mit bis zu 40 Quadratmetern als Vergleichsgröße.

Als erschwinglich gilt eine Wohnung dann, wenn die Kaltmiete maximal 30 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmacht. Liegt der Indexwert über eins, reicht das Einkommen rechnerisch für die durchschnittliche Miete vor Ort. Liegt er darunter, übersteigt die mittlere Miete diesen Schwellenwert. Grundlage ist jeweils das mittlere Einkommen in der jeweiligen Stadt oder im Landkreis.

Regionale Unterschiede innerhalb Baden-Württembergs

Nach Angaben des SWR zählen sieben Kreise in Baden-Württemberg zu den 50 am wenigsten erschwinglichen Kreisen in Deutschland. Die Städte Konstanz und Stuttgart sowie der Landkreis Lörrach liegen laut Index mit Werten von 1,08 beziehungsweise 1,14 nur knapp über der definierten Erschwinglichkeitsschwelle.

Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mieterbunds Baden-Württemberg, erklärte: „In Baden-Württemberg gibt es zu wenige Wohnungen und es werden kaum neue gebaut, weshalb auch die Preise immer weiter steigen werden. Die Zahlen der Baugenehmigungen lassen nicht auf eine Trendwende in den nächsten Jahren hoffen.“

Pendlerströme und Angebotsknappheit

Bundesweit zeigt sich laut SWR, dass insbesondere in Regionen rund um größere Städte Einkommen und Mietpreise häufig auseinanderfallen. Als ein Grund werden Pendler genannt, die in Großstädten arbeiten, dort höhere Einkommen erzielen, aber im Umland wohnen. Dadurch steige das Preisniveau auch in angrenzenden Landkreisen.

Der Mietpreisanstieg der vergangenen Jahre betrifft laut der Auswertung nicht nur Großstädte. In den Landkreisen Freudenstadt und Main-Tauber-Kreis sei die Kaltmiete pro Quadratmeter zwischen 2016 und 2025 um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Datengrundlage und Marktentwicklung

Die Daten zur Preisentwicklung stammen vom privaten Marktforschungsinstitut empirica regio (VALUE Marktdaten). Nach Unternehmensangaben fließen mehr als 100 Quellen ein. Berücksichtigt werden ausschließlich Neuvermietungen, die auf Online-Plattformen angeboten werden.

Der Ökonom Pekka Sagner vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln führt den Preisanstieg auf ein Missverhältnis zwischen hoher Nachfrage und begrenztem Angebot zurück. Er erklärte, dass ein prozentual starker Anstieg nicht in jedem Fall mit einem hohen absoluten Mietniveau gleichzusetzen sei. Steige die Kaltmiete beispielsweise von 6,50 Euro auf acht Euro pro Quadratmeter, entspreche dies zwar einem deutlichen relativen Zuwachs, der absolute Preis könne jedoch weiterhin im unteren Bereich liegen.

Wohnungen häufig außerhalb des offenen Marktes vergeben

Nach Schätzungen des IW Köln werde mindestens jede fünfte verfügbare Wohnung über persönliche Kontakte weitergegeben und gelange nicht auf den offenen Markt, so Sagner. Auch in Zuschriften an den SWR wird berichtet, dass günstige Wohnungen häufig über Bekannte vermittelt würden.

Der interaktive Rechner des SWR ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, anhand ihres Nettoeinkommens und ihres Wohnorts zu prüfen, ob eine kleine Wohnung vor Ort als erschwinglich gilt. Die Auswertung ist Teil einer Reihe von Beiträgen, die im Vorfeld der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg auf Basis von Bürgerzuschriften entstehen.