Wohnungsbau fällt auf niedrigsten Stand seit 2012

In Deutschland sind im Jahr 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts 206.600 Wohnungen fertiggestellt worden. Das waren 18 Prozent weniger als im Vorjahr und 45.400 Wohnungen weniger als 2024. Nach den vorliegenden Zahlen handelt es sich um den niedrigsten Stand seit 2012.

In den Jahren 2021 bis 2023 hatten die Fertigstellungen noch jeweils bei rund 294.000 Wohnungen gelegen. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sagte der „Rheinischen Post“, die aktuellen Zahlen seien das „Resultat der vergangenen Krisenjahre“.

Verbände fordern weitere Maßnahmen

Ein Bündnis aus Verbänden der Bau-, Immobilien- und Wohnungswirtschaft bezeichnete die Entwicklung als „Alarmsignal“ und fordert einen sogenannten „Bauturbo II“. Zu dem Bündnis gehören unter anderem der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, der Immobilienverband Deutschland (IVD) und der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV).

Nach Darstellung des Bündnisses seien die Fertigstellungszahlen nicht unvermeidbar, sondern Folge aus Sicht der Verbände unzureichender Rahmenbedingungen. In der gemeinsamen Erklärung heißt es, auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen sei mit komplexen Förderprogrammen, zusätzlichen Anforderungen und steigenden Kosten reagiert worden.

Sechs Punkte im Verbände-Appell

Das Bündnis nennt sechs Sofortmaßnahmen. Dazu zählen ein neuer gesellschaftlicher Konsens für den Wohnungsbau, eine verlässliche Förderpolitik, bessere steuerliche Rahmenbedingungen, stabile Finanzierungsmöglichkeiten, die Einführung des Gebäudetyps E für einfacheres Bauen sowie der Verzicht auf eine weitere Verschärfung der Mietenregulierung.

Aus Sicht der Verbände seien im Koalitionsvertrag enthaltene Maßnahmen bisher nicht umgesetzt worden. Stattdessen würden weitere wohnungspolitische Ideen diskutiert. Die Bundesregierung müsse nun Prioritäten setzen, heißt es in dem Appell.

Prognose für 2026 unter 200.000 Wohnungen

Bereits Ende März 2025 hatten einige der Verbände beim Wohnungsbautag ein Programm für eine Trendwende im Wohnungsbau vorgestellt. In der aktuellen Mitteilung heißt es, zwei Monate später sei man „keinen Schritt weiter“.

Für 2026 rechnen die Experten laut Quelle mit einem Rückgang auf weniger als 200.000 neu gebaute Wohnungen. Eine schnelle Erholung wird demnach nicht erwartet, unter anderem wegen gestiegener Kosten für Baumaterialien und Transporte vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs.

Baugenehmigungen legen zu

Gleichzeitig gab es bei den Baugenehmigungen eine gegenläufige Entwicklung. Nach Angaben der Bundesstatistik stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen 2025 um knapp 11 Prozent auf 238.100 Einheiten. Es war das erste Plus seit 2021.

Der Bauüberhang blieb jedoch hoch. Nach den Angaben lagen 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen vor. Davon befanden sich 307.200 Wohnungen bereits im Bau.

Genehmigungen verfallen häufiger

Ein Teil der genehmigten Vorhaben wurde nicht umgesetzt. Für 35.700 Wohnungen erloschen die Genehmigungen, weil Projekte aufgegeben wurden. Das war laut Quelle der höchste Wert seit 2002.

Zudem verlängerte sich die Zeit zwischen Genehmigung und Fertigstellung. Im Neubau betrug sie zuletzt 27 Monate. Im Jahr 2020 waren es noch 20 Monate.

Bundesregierung setzt auf Bauturbo-Gesetz

Die Bundesregierung will den Wohnungsbau unter anderem mit dem Bauturbo-Gesetz beschleunigen. Ziel sind schnellere Genehmigungen. Außerdem wurde die Förderung für energieeffizientes Bauen mit dem Standard EH55 wieder aufgenommen.

Nach Schätzungen fehlen in Deutschland inzwischen rund eine Million Wohnungen, besonders in Städten. Die frühere Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte sich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr vorgenommen, erreichte dieses Ziel jedoch nicht.

BauGB-Reform und Gebäudetyp E geplant

Jan-Marco Luczak, baupolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte, es brauche Tempo bei den anstehenden Reformen. Beim Thema Baukosten könne der Gebäudetyp E aus seiner Sicht ein „Gamechanger“ werden. Das Justizministerium müsse liefern, erklärte Luczak.

Bauministerin Hubertz kündigte eine große Reform des Baugesetzbuches an. Zudem arbeite die Bundesregierung am Gebäudetyp E, an der Bündelung von Förderprogrammen und an einer Verlängerung der Förderung für energieeffizientes Bauen. Diese Maßnahmen sollen nach ihrer Darstellung dazu beitragen, die Fertigstellungszahlen wieder zu erhöhen.