Der Wohnungsmarkt in Deutschland zeigt laut einer aktuellen YouGov-Umfrage veränderte Präferenzen bei Wohnungssuchenden. Die Befragung im Auftrag von Kleinanzeigen deutet darauf hin, dass für viele Menschen nicht mehr primär Innenstadtlage und möglichst große Wohnfläche ausschlaggebend sind, sondern andere Merkmale.
In der Umfrage nannten Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem die Lage im ländlichen Umfeld sowie eine eigene Garage oder einen Stellplatz als wichtige Kriterien für die als ideal empfundene Wohnung.
Umfrage: Eigentum und Miete nach Altersgruppen und Regionen
Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gab an, eine Eigentumswohnung zu bevorzugen, während 44 Prozent eine Mietwohnung als ideal ansahen. Mit zunehmendem Alter verschieben sich die Präferenzen: In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen bezeichneten 36 Prozent eine Mietwohnung als ideal, bei den über 55-Jährigen lag dieser Anteil bei 50 Prozent.
Auch regional ergaben sich Unterschiede. In Ostdeutschland bevorzugten 52 Prozent eine Mietwohnung, 41 Prozent nannten Wohneigentum. In den westlichen Bundesländern zeigte sich ein umgekehrtes Bild: 51 Prozent tendierten zu Wohneigentum, 42 Prozent zu einer Mietwohnung.
Wohnungsgröße: Drei bis vier Zimmer im Fokus
Bei der Zimmerzahl wurden Drei-Zimmer-Wohnungen am häufigsten als ideal genannt (33 Prozent). Vier-Zimmer-Wohnungen folgten mit 29 Prozent, Wohnungen mit mehr als vier Zimmern mit 20 Prozent. Zwei-Zimmer-Wohnungen erreichten 13 Prozent, Ein-Zimmer-Wohnungen zwei Prozent. Auch unter Single-Haushalten gaben 38 Prozent an, eine Drei-Zimmer-Wohnung zu bevorzugen.
Bei der Wohnfläche nannten 33 Prozent eine Größe von 61 bis 90 Quadratmetern als ideal, weitere 30 Prozent bevorzugten 91 bis 120 Quadratmeter. Wohnungen mit mehr als 120 Quadratmetern galten für 16 Prozent als perfekt. Wohnungen mit 31 bis 60 Quadratmetern wurden in der Umfrage von einem Prozent als ideal bezeichnet.
Lage und Etage: Präferenzen außerhalb der Zentren
Ein Viertel der Befragten (24 Prozent) verortete die ideale Wohnung auf dem Dorf oder in der Natur. 21 Prozent bevorzugten eine mittelgroße Stadt, 19 Prozent eine Kleinstadt. Für das direkte Stadtzentrum einer Großstadt entschieden sich 13 Prozent, für den Speckgürtel acht Prozent. Metropolen wie Berlin oder Hamburg sowie der Rand einer Klein- oder Mittelstadt wurden jeweils von sechs Prozent genannt.
Bei der bevorzugten Etage gaben 42 Prozent an, eine Erdgeschosswohnung zu wählen. Das erste Obergeschoss nannten 20 Prozent, das zweite Obergeschoss zehn Prozent. Weniger häufig wurden die dritte Etage (vier Prozent) sowie Wohnungen ab dem vierten Stock (sechs Prozent) genannt. Dachgeschosswohnungen erreichten sechs Prozent, Souterrainwohnungen vier Prozent.
Ausstattung: Stellplatz, Stauraum und Balkon häufig genannt
Als entscheidendes Merkmal für die perfekte Wohnung nannten 45 Prozent einen Stellplatz oder eine Garage. Stauraum wie Keller, Dachboden oder Abstellkammer wurde von 36 Prozent genannt. Balkon, energiesparende Dämmung und ein modernes Heizsystem erreichten jeweils 34 Prozent.
Weniger häufig wurden Kamine (zehn Prozent), ein separates Arbeitszimmer (15 Prozent) und offene Küchen (17 Prozent) genannt. Gärten (31 Prozent) und Terrassen (28 Prozent) lagen im Mittelfeld.
Methodik der YouGov-Erhebung
Die Umfrage basiert laut Quelle auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt hatten. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 16. Januar 2026 und dem 19. Januar 2026. Insgesamt wurden 2.044 Personen interviewt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse entsprechend gewichtet. Laut Quelle sind die Ergebnisse repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
Studie von Prea: Demografischer Wandel als Planungsfaktor
Neben den Umfrageergebnissen verweist der Beitrag auf eine Studie des Immobilien- und Technologieunternehmens Prea, die Mitte 2023 veröffentlicht wurde. Demnach sollten Wohnungsbau und Investitionen in Wohnimmobilien in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren stärker am demografischen Wandel ausgerichtet werden.
Die Studie erwartet laut Quelle insbesondere in ländlichen Regionen Bevölkerungsrückgänge, in einzelnen Kreisen bis zu 60 Prozent (genannt wird der Saale-Holzland-Kreis). Für Bundesländer werden unter anderem folgende Veränderungen genannt: Sachsen minus 9,5 Prozent, Sachsen-Anhalt minus 17,2 Prozent und Thüringen minus 14,9 Prozent.
Wachstum in Metropolregionen und steigendes Durchschnittsalter
Für urbane Zentren erwartet die Studie weiterhin Wachstum. „Diese profitieren insbesondere aufgrund des erhöhten Zuzugs“, schreiben laut Quelle die Studienautoren. Hervorgehoben werden Metropolregionen um München, Nürnberg, Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main.
Gleichzeitig wird laut Prea-Studie ein Anstieg des Durchschnittsalters in Städten erwartet: von 44,4 Jahren (Stand 2023) auf mehr als 46,5 Jahre bis 2043. Als Folge wird in der Quelle eine steigende Nachfrage nach Barrierefreiheit in Wohnungen genannt.
Prea-Ranking: Genannte Städte für Wachstum und Rückgang
In einem Prea-Ranking werden Regensburg, Leipzig und Potsdam als vordere Plätze für Investitionen in den kommenden 20 Jahren genannt. Als Städte mit dem stärksten Bevölkerungsrückgang führt die Quelle Neuss, Trier und Moers an; dort werde der Bedarf an Wohnungen zurückgehen.
Für Leipzig nennt die Quelle eine Prognose von plus 30,2 Prozent Bevölkerungsanstieg in den kommenden zwanzig Jahren. Als maßgeblicher Faktor des Urbanisierungstrends wird in der Quelle die zunehmende Bedeutung wissensintensiver Dienstleistungen in der Wertschöpfung genannt.
Anpassungsbedarf im Bestand und mögliche Folgen für Regionen
Die Studienautoren führen laut Quelle aus, dass auch bei stagnierender Bevölkerung der Immobilienbestand angepasst werden müsse, weil sich die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft ändern. Das betreffe etwa die städtische Infrastruktur. In betroffenen Regionen könnten laut Quelle Ortsteile zurückgebaut oder Siedlungen aufgegeben werden.
Zugleich wird in der Quelle beschrieben, dass das Umland von Städten an Attraktivität gewinnen könnte. Ländliche Regionen hätten demnach Chancen, wenn sie dem Bevölkerungsschwund entgegenwirken und sich als altersgerechte Umlandgemeinden positionieren. Bestandshalter und Investoren könnten laut Prea-Experten mit barrierefreien Wohnungen das Leerstandsrisiko reduzieren und Zusatzrenditen erzielen.