Mietspiegel Plauen

Blick in den Mietspiegel

Im Osten der Republik scheint Wohnen für den einfachen Bürger noch bezahlbar zu sein. In der großen Kreisstadt Plauen im Freistaat Sachsen beispielsweise beträgt die aktuelle Durchschnittsmiete (Stand Februar 2019) 4,76 € pro m². Das entspricht gerade einmal einem Fünftel der Nettokaltmiete in München (20,17 €/m²), einem Drittel der Kaltmiete in der Bundeshauptstadt Berlin (12,73 €/m²) und immerhin noch fast der Hälfte der Miete in der Landeshauptstadt Dresden (8,57 €/m²).

Selbst im landesweiten Vergleich schneidet Plauen überdurchschnittlich gut ab. Während es in Plauen Wohnungen bis 30 m² bereits ab 5,24 € gibt, muss man in Sachsen für die gleiche Größe 7,37 € hinlegen. Bei Wohnungen von einer Größe bis 60 m² sinkt der durchschnittliche Preis auf 4,60 € pro m² (Sachsen 5,91 €). Großzügige Wohnungen bis 100 m² fressen in Plauen kein Loch in die Kasse. Für einen Quadratmeterpreis von 5,03 € (7,45 € in Sachsen) würden sich Mieter andernorts die Finger schlecken.

Die untere Skala verlassen: Mietpreise in Plauen ziehen an

Dennoch wäre es natürlich vermessen, zu glauben, diese günstigen Mietpreise dauerhaft halten zu können. Laut den Statistiken von Immowelt.de und Wohnungsbörse.net folgt auch Plauen dem allgemeinen Trend der steigenden Mietpreise. Beunruhigend dürfte das zum gegebenen Zeitpunkt aber noch nicht sein.

Wir sprechen hier von einem sehr moderaten Anstieg (4,63 €/m² im Jahr 2016 gegenüber 4,76 €/m² im Jahr 2019). Eine Wohnung bis zu 40 m² ist also immer noch für unter 200 € zu haben. Für bis zu 80 m² reicht meistens ein Budget bis zu 325 €. Die Obergrenze für bis zu 120 m² liegt zwischen 600 € und 625 €.

Genau genommen könnte Plauen angesichts des aktuellen Mietspiegels von Immowelt ein ähnliches Schicksal erfahren wie Hamburg, Berlin oder München. Die Nachfrage für Mietobjekte aller Couleur könnte das Angebot irgendwann übersteigen. Wohnraum würde dann knapp werden. Von solch einem Szenario ist man allerdings Jahrzehnte entfernt. Vielleicht wird dieses Szenario auch niemals eintreten.

Die fünftgrößte Stadt des Freistaates Sachsens hat es schließlich erstmals geschafft ein leichtes Plus bei den Zuzügen zu verzeichnen. Die Zahl der Zuzüge und der Geburten steht damit aber immer noch in keiner Relation zu der Zahl der Sterbefälle.

Hohe Mieten in Plauen

Als Oberzentrum des Freistaates Sachsen knüpft die Stadt aber bereits an die Vermarktung als überregionaler Wohnstandort an. Im Stadtkonzept Plauen 2022 soll konkret die Gruppe der Best Ager (50 Plus) aus München in die große Kreisstadt gelockt werden. Oberbürgermeister Ralf Oberndorfer betont dabei, das Plauen alle Generationen braucht und für alle Generationen etwas zu bieten hat. Erste erfreuliche Ergebnisse des Projekts Zuzug in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Plauen mbH (WBG) zeigen sich bereits in der Innenstadt. Ein von der WBG realisierter Neubau ist bereits mit 20 % Neu-Plauenern bei der Vermietung belegt. Die Stadtmitte (mit 131 Mietangeboten), zählt neben dem Stadtteil Westend (54 Mietobjekte) und dem Stadtteil Haselbrunn (39 Angebote) zu den begehrtesten Zielen von Neuankömmlingen und Mietsuchenden.

Gleichzeitig investiert Plauen viel in sein kulturelles Angebot und die dafür nötige Infrastruktur. Schulen, Kitas, Stadtbusse, Straßenbahnen, der Einzelhandel und die Gastronomie könnten ordentliche Zuwachsraten verzeichnen, wenn das Konzept der Wirtschaftsförderung der Stadt Plauen aufgeht.

Damit wird sich Plauen auch auf ewige Zeiten von München abgrenzen. Projektinitiator Ralf Köhler ist davon überzeugt, dass der Lifestyle von Plauen genug Anziehungskraft besitzt, um sowohl Menschen über fünfzig als auch Rückkehrer in die Heimat dauerhaft hier zu behalten. Wo sonst ist das allgemeine Preisniveau so exzellent wie hier. Die Ausgaben, die man sich für die Miete spart, kann man schließlich in seine privaten kulturellen Vergnügungen stecken. Man ist bereits dabei junge Familien, die Plauen den Rücken gekehrt haben, sowie Pendler über das Projekt Vogtlandjob, wieder nach Plauen zu holen.

Was Plauen an dieser Stelle noch fehlt, ist ein offizieller Mietspiegel. Ein solcher existiert nämlich noch nicht. Mithilfe eines (qualifizierten) Mietspiegels ließen sich die ortsüblichen Vergleichsmieten bei Bestandsmietverhältnissen (Neuvermietungen sind ausgeschlossen) ermitteln. Dazu müssten repräsentative Daten erst einmal erhoben werden. Außerdem wäre eine Einsicht in den allgemeinen Beschaffungszustand, die Größe der Wohnungen und die präferierte Lage von Vorteil für potentielle Zuzügler und Immobilieninteressierte. Da die Architektur von Plauen hohes Ansehen genießt und die Wohnungsbaugesellschaft mit Neubauten neuen attraktiven Wohnraum schafft, tut Plauen natürlich gut daran, damit noch ein wenig zu warten.